Das Schmieden eines traditionellen Samurai-Schwert (Katana)

Im japanischen Mittelalter hielten die antiken Schmiedemeister vor jedem Schmieden einer neuen Klinge Reinigungs-Rituale ab, die dazu dienten, die guten Geister anzurufen, um das Entstehen eines neuen Katana zu begünstigen.
Die Realisierung eines Katana nach den traditionellen Methoden kann auch Monate lang dauern. Man beginnt mit dem Bau einer besonderen Art Rennofen, dem so genannten „Tatara“, der einem einfachen Tonofen ähnelt und in dem 3 Tage und 3 Nächte lang Holzkohle zusammen mit Eisensand verbrannt wird. Dieses komplexe Verfahren führt dazu, dass sich das Eisen mit dem Kohlenstoff verbindet und dass Stahl entsteht. Zusätzlich werden so zahlreiche der ursprünglich vorhandenen Unreinheiten beseitigt. Es sollte erwähnt werden, dass die antiken japanischen Schmiedemeister im Vergleich zu den westlichen Schmiedemeistern Minerallagerstätten und Eisensandablagerungen zur Verfügung hatten, die Metalle von sehr viel schlechterer Qualität lieferten. Dies führte dazu, dass besonders aufwendige Techniken entwickelt werden mussten, um die zahlreichen vorhandenen Unreinheiten zu beseitigen.
Das Herz des produzierten Stahls wurde mit Tamahagane bezeichnet, was so viel wie „Raffinierstahl“ bedeutet. Es handelt sich hierbei um einen Eisen- und Kohlenstoffblock, der porös war und zahlreiche Unreinheiten enthielt. Das restliche Material, ein kohlenstoffärmerer Stahl, wurde dennoch als Metallreserve für die weicheren Teile der Klinge wiederverwendet bzw. der Kohlenstoffgehalt wurde durch Zusatz von Tamahagane-Teile erhöht.

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Der Block Tamahagane selbst wird in Bruchstücke zerteilt, die nach der Farbe entsprechend ihres Kohlenstoffgehalts getrennt werden. Diese Bruchstücke werden schließlich erhitzt und zu flachen Platten gehämmert, in denen der Kohlenstoffgehalt oder das Vorliegen von Unreinheiten leicht erkannt werden kann.
Die besten Platten werden dann für die Anfertigung der Außenbeschichtung der Klinge, dem Kawagane (Haut-Stahl) und dem Hagane (Klingen-Stahl) ausgewählt; diese werden überlagert, bis zur Weißglut erhitzt und durch Feuerschweißen miteinander verschmolzen.

Das Verfahren (Erhitzen und Hammerschläge) wird wiederholt und dient in diesem Fall dazu, den Stahlblock abzuflachen und zu verlängern, der durch dieses Verfahren auch eine ganze Reihe an Unreinheiten verliert.
An dieser Stelle ist der Barren für die Bearbeitung bereit; er wird noch einmal erhitzt und auf der Hälfte wird ein Einschnitt ausgeführt, der dem Verbiegen des Stahlbarrens dient. Danach wird alles erneut erhitzt und so oft geschlagen, bis eine komplette Verschmelzung der beiden Schichten erfolgt ist, die bis auf ihre Originalmaße abgeflacht  werden. Das Verfahren wird etwa 6 Mal wiederholt. Am Ende erhält man einen Stahlbarren, der aus mehreren übereinander gelagerten Schichten besteht. Tatsächlich verdoppelt jede Biegung des Stahls die Anzahl der Schichten.

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An dieser Stelle wird der Barren in 3 Teile geteilt. Für die Anfertigung eines Samurai-Schwerts benötigt man 4 Teile (demnach wird ein Teil von einem anderen Block gewonnen). Die 4 Stahlbarren werden aufeinandergelegt, erhitzt und durch Feuerschweißen miteinander verbunden. Das Ganze wird noch mindestens 6 weitere Male gefaltet und geschweißt. Bei jedem Erhitzen verliert das Material nach und nach an Kohlenstoff, welcher beim Kontakt mit dem Sauerstoff verbrennt. All das führt dazu, dass der Stahl, je weiter man fortfährt, immer mehr Kohlenstoff verliert; dies geschieht aber nicht auf gleichmäßige Weise. Tatsächlich besteht der Block aus Tausenden von Stahlschichten und jede Schicht enthält unterschiedlich viel Kohlenstoff. Das Endergebnis dieses ganzen Verfahrens ist ein Stahlbarren aus tausenden überlagerten Schichten mit einer Stärke von wenigen Millimetern. In der Tat spricht man hier für jede Schicht von „molekularen“ Stärken.

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Je nachdem wie der Stahl gefaltet und geschlagen wird (immer in eine Richtung oder in unterschiedliche Richtungen) erhält man eine unterschiedliche oberflächliche Stahlstruktur (Hada).
An dieser Stelle beginnt die Anfertigung des Shingane (Kernstahl), wobei man mit einem Stahl mit niedrigem Kohlenstoffgehalt beginnt. Dieser wird geformt, gefaltet und mindestens zehnmal geschlagen. Das Ziel hierbei ist, den Kohlenstoffgehalt noch weiter zu reduzieren und die Unreinheiten zu entfernen. Schließlich kommt der Moment, in dem alles vereint wird. Der Kawagane wird U-förmig gefaltet und der Shingane-Barren wird in ihn eingeschmiedet.

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Alles zusammen wird erneut erhitzt und geschlagen bis eine komplette Verschmelzung zwischen den beiden Schichten erreicht ist. Diese Phase ist besonders kritisch. Die Verschweißung muss besonders sorgfältig erfolgen und das erneute Schlagen des Stahls darf die beiden Komponenten nicht verschieben (Kawagane außen und Shingane innen). Das Ergebnis dieses komplizierten Verfahrens ist eine Klinge, die mit einem besonders harten Mantel versehen ist und sich daher gut für das Schärfen eignet. Der Kern dagegen ist sehr elastisch und in der Lage, Schläge abzufedern, ohne dabei zu brechen.

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Die soeben beschriebene Technik ist die einfachste, aber häufig werden für die Katana-Schwerter komplexere Systeme eingesetzt. In vielen Fällen benutzte man für die eigentliche Schneide einen noch festeren Stahl als der Kawagane (Haut-Stahl): Der Hagane (Klingenstahl) ist besonders reich an Kohlenstoff und demnach besonders hart. Auch er ist entsprechend gefaltet und geschlagen. Hinter einer Hagane-Schneide konnte ein Shingane-Barren (Kernstahl) und an den Seiten ein Kawagane-Mantel (Hautstahl) eingesetzt werden, aber es waren auch weitere Kombinationen möglich. Masamune soll bis zu 7 verschiedene Stahlsorten für die Konstruktion seiner Samurai-Schwerter verwendet haben. Die Klingenspitze (Kissagi) bestand dagegen einzig allein aus hartem Stahl (Hagane/Kawagane).

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An dieser Stelle wurde die zukünftige Klinge erneut bis zur Gelbglut erhitzt und so geschlagen, dass sie geformt werden konnte. Sie erhielt ihre endgültige Form und auch die Angel (Nagako) und die Klingenspitze (Kissaki) wurden modelliert.
Schließlich kommt der kritischste Moment beim Schmieden einer Klinge: Die Härtung durch Eintauchen der glühenden Klinge in Wasser (oder in einigen Fällen in Öl). Das Härten im Wasser ist ein sehr schwieriger Vorgang und verlangt der Klinge viel ab. Tatsächlich verändert der beachtliche Temperaturwechsel die molekulare Struktur des Barreninneren stark, wobei auch die Form verändert wird (und die Biegung der Klinge selbst). Dabei werden eventuelle Konstruktionsfehler durch Spalten und Risse hervorgehoben.


Der Kohlenstoff verleiht dem Stahl die Härte, da seine großen Moleküle mit den Eisenschichten interagieren und damit vermeiden, dass diese übereinander gleiten. Das Härte-Verfahren ist ein Prozess, der diese Wirkung verstärkt. Tatsächlich spaltet sich die kristalline Struktur des Eisens beim Erhitzen des Stahls und die Eisenatome vermischen sich mit denen des Kohlenstoffs. Wenn der Stahl langsam abgekühlt wird, bilden die Eisenatome erneut ihre kristalline Struktur und drücken die Kohlenstoffatome an die Ränder. Erfolgt die Abkühlung zu schnell, bleiben die Kohlenstoffatome in der kristallinen Eisenstruktur gefangen und das Eisen wird unregelmäßig. Dies führt wiederum dazu, dass die Eisenschichten viel mehr Mühe haben, übereinander zu gleiten, so dass der Stahl sehr viel härter wird. Es versteht sich von selbst, dass ein erneutes Erhitzen in der Lage ist, die Härtung zu zerstören. (Dies passierte manchmal bei einem Brand. Die Klinge des Samurai-Schwerts musste danach erneut gehärtet werden, um diese wieder funktionsfähig zu machen. Natürlich verlor die Klinge an Wert, da die vom Schmiedemeister verliehenen ursprünglichen Eigenschaften unwiderruflich verloren gingen).
Das Schwert erfährt an dieser Stelle eine zweite vorbereitende Härtung. Die Klinge wird an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark erhitzt (Klinge und Klingenseiten werden mehr als der Klingenkern und Klingenrücken erhitzt) und in Wasser eingetaucht.
Dann ist es Zeit, die Schneide zu härten und das Hamon zu schaffen: Die geschwungene Linie, die die Schneide vom Körper der Katana trennt und die beiden Bereiche der unterschiedlichen Härtung anzeigt.


Hamon

Das Hamon ist eine Zeichnung, die sich entlang der Klinge bildet, wenn das Samurai-Schwert während des Härtevorgangs gekühlt wird (yaki-ire). Während der Kühlung setzen sich die Martensit-Kristalle, -die sich im Stahl entlang der Schneide bilden-, fest und bilden somit das Hamon. Diese harten Partikel werden als „Nie“ (Martensitstrukturen) bezeichnet und konzentrieren sich insbesondere im Bereich direkt unterhalb des Hamons, genannt Ha-Saki. Dieser Bereich ist damit der härteste Bereich der Katana , der in der Lage ist, die Klinge über die Zeit hinweg sehr scharf zu halten.
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Häufig wird die Unterschiedlichkeit eines Hamons als Synonym für Qualität betrachtet: In Wirklichkeit ist das Hauptmerkmal eines Hamons nicht das Muster, sondern die Gleichmäßigkeit entlang der gesamten Klinge.

Dafür wird die Klinge des Samurai-Schwerts an den verschiedenen Stellen mit einer Schicht Ton in unterschiedlicher Stärke abgedeckt (Ton ist ein Isoliermittel; das bedeutet, dass dort, wo sich mehr Ton befindet, die Klinge weniger hart wird als an den Stellen, die mit weniger Ton abgedeckt werden).

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Das Hamon, das zu Beginn geradlinig war, wurde über die Jahrhunderte hinweg zu einer Verzierung der Klinge und hat besonders schöne und künstlerisch interessante Formen angenommen. Dennoch gibt es am Ende vier wesentliche Hamon-Typen:
Shugua (Dieser Hamon-Typ ist eine gerade Linie, die sich in der Mittel zwischen dem Shinogi und der Schneide des Schwerts befindet). Gunome (Dieser Hamon-Typ zeichnet sich durch die halbrunden Wellungen mit fast gleicher Größe aus, wobei die Wellenspitzen etwas breiter als die Wellentäler sind.) Notare (Dies ist ein leicht gewelltes Muster. Das Hamon Notare unterteilt sich in O-Notare (wenn der Höhenunterschied zwischen Wellenspitzen und Wellentälern groß ist) und Ko-Notare (wenn die Wellen der Zeichnung weniger betont sind). In vielen Fällen wird dieser Hamon-Typ in komplexere Schemen eingefügt und nimmt daher den Namen Notare-Midare an.) und schließlich Choij (Der Name stammt von den Gewürznelken, denen das Hamon ähnelt. Bei den Samurai-Schwertern wird dies häufig mit dem Gnumare-Midare verwechselt; siehe unten. Beim Choij-Midare sind die Wellentäler enger als die Wellenspitzen). Zwischen dem Hamon und dem Rest der Klinge gibt es bei den wertvolleren Schwertern auch das Utsuri, der Schatten des Hamons, d.h. ein Bereich, der sich farblich unterscheidet und den Rand des Hamons abzugrenzen scheint (siehe obige Abbildung).

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Figure 1 HAMON SHUGUA

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Figure 2 HAMON GUNOME

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Figure 3 HAMON NOTARE

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Figure 4 HAMON CHOJI

An dieser Stelle wird das Schwert an andere Personen weitergegeben, die sich um die Politur kümmern. Auch dieser Prozess ist sehr langwierig und kann über Monate hinweg andauern. Man beginnt mit einer groben Feile, um dann mit dünnem Schleifpapier und unglaublicher Geduld auf der Schneide fortzufahren. Das Endergebnis ist ein Samurai-Schwert mit einer Schneide, so hart wie ein Diamant, und einem dennoch besonders elastischem Körper. Ein Katana, das mit der traditionellen Technik konstruiert wurde, ist in der Lage, sowohl ein in der Luft schwebendes Seidenblatt zu durchschneiden als auch eine Rüstung zu spalten.
Die Oberfläche eines echten Katana, egal ob Original oder Replika, ist niemals spiegelglatt poliert, sondern präsentiert eine feine Musterung, Hada (Maserung) oder Jitetsu (Art von Maserung) genannt, die nichts anderes ist, als ein von der Falttechnik hinterlassenes Zeichen. Neben dieser Musterung können weitere Zeichen oder Schattierungen vorhanden sein, die von den Experten verwendet werden, um das Herstellungsdatum des Schwertes festzustellen oder es einer bestimmten Schule bzw. Schmiedemeister zuzuordnen.

WIE SIEHT EIN SAMURAI KATANA AUS

DIE PFLEGE DER KLINGE


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